Praktische Vorgehensweise

Wenn Sie als Eltern sich für die INPP-Methode bei Ihrem Kind entschlossen haben, so wird sie in der Regel in folgenden Schritten durchgeführt:

 

1. Schritt
Zu Beginn wird mit Ihnen ein intensives Anamnesegespräch (in der Regel ohne Ihr Kind) geführt, in dem detailliert Informationen über den Schwangerschaftsverlauf, den Geburtsvorgang und die nachgeburtliche Entwicklung des Kindes sowie die als problematisch erlebten aktuellen Entwicklungsauffälligkeiten erfragt werden. Wenn die im Anschluss an das Anamnesegespräch erfolgte Auswertung des Fragebogens nahe legt, dass bei Ihrem Kind in der Tat Reste fortbestehender frühkindlicher Reflexe als ursächlich an seinen Problemen vermutet werden können, wird mit Ihnen ein weiterer Termin vereinbart, in dem dann mit umfangreichen Überprüfungsmethoden der STand der neuromotorischen Ausreifung Ihres Kindes festgestellt wird.
Es ist aber ebenfalls möglich, dass Ihnen nach diesem Gespräch mitgeteilt wird, dass eventuell Ihre Erwartungen an Ihr Kind unangemessen hoch sind, oder dass andere Faktoren für die Problematik verantwortlich sind.


2. Schritt
Eine je nach Alter Ihres Kindes 2 - 3 stündige umfangreiche  Überprüfung ermöglicht ein genaues Bild über den Stand der neuromotorischen Ausreifung Ihres Kindes.
Es werden folgende Bereiche überprüft:

  • Grob- und feinmotorische Koordination
  • Gleichgewicht
  • Muster der Bewegungsentwicklung
  • Frühkindliche (primitive) Reflexe
  • Halte- und Stellreaktionen
  • Lateralität
  • Augenmuskelfunktionen
  • Visuelle Wahrnehmung
  • Augen-Hand-Koodination
  • Gegebenenfalls auch Überprüfung der Hörwahrnehmung nach Dr. Kjeld Johansen (siehe www.dyslexia-lab.dk )

Bei diesem Termin sind Sie als Eltern(teil) anwesend.


3. Schritt
Nach Auswertung der Tests wird mit Ihnen ein weiterer Termin vereinbart, in dem Ihnen die Ergebnisse der Überprüfung ausführlich und detailliert dargestellt werden. Dieser bis zu zweistündige Termin, in dem auch der theoretische Hintergrund des Ansatzes nochmals ausführlich angesprochen wird, erhöht in der Regel das Verständnis der Eltern für die Probleme ihres Kindes und modifiziert die Erwartungshaltung an das Kind in Bezug auf Über - , aber auch Unterforderung. Dies erniedrigt häufig den familiären Stresslevel und kann somit ein Re-Bonding zwischen Kind und Eltern ermöglichen.
Bei diesem Termin ist es äußerst wünschenswert, dass beide Elternteile (so vorhanden) bzw. auch diejenigen, die erzieherisch intensiv mit dem Kind zu tun haben, präsent sind.


4. Schritt
Im darauf folgenden Termin wird mit Ihrem Kind und mit Ihnen das häusliche Übungsprogramm eingeübt, das Ihr Kind mit Ihrer Unterstützung täglich zu Hause etwa ein bis eineinhalb Jahre durchführen soll. Es besteht aus speziellen Bewegungsübungen, deren Zusammenstellung von Kind zu Kind variiert. Je nach individueller Vorgeschichte und gefundenem Reflexprofil wird bei der Übungsauswahl entschieden, ob die in den Testverfahren sich zeigenden Restreaktionen frühkindlicher Reflexe, die bspw. durch Frühgeburt oder durch Abweichungen von natürlichen Geburtsabläufen nie ihr Maximum erreicht haben, durch in stilisierter Form durchgeführte Wiederholungen der Reflexbewegung selber zunächst zur Ausreifung gebracht werden, oder ob Bewegungsabläufe ausgeführt werden sollen, die auch in der normalen kindlichen Entwicklung eine natürliche Reflexhemmung beinhalten, die jedoch vom jeweiligen Kind nicht oder nicht lange und/oder gut genug (bspw. durch eine perinatal verursachte Blockade der Halswirbelsäule und daraus sich entwickelnden Lageasymmetrien oder durch Erkrankungen während des 1. Lebensjahres) durchgeführt wurden.
Die stilisierten, stereotypen Bewegungsabfolgen müssen vom Kind täglich sehr langsam und so genau wie möglich durchgeführt werden.
Ein spezielles Verfahren („Touch-Count") erhöht über taktile Stimulation die Aufmerksamkeit des Kindes auf die von ihm willkürlich zu steuernde Bewegungsfigur, unterteilt noch einmal die Bewegungsfiguren in kleinste Bewegungsabschnitte und ermöglicht so Pausen, die der Tonusstabilisierung dienen und auch dem Gehirn Zeit lassen, die Bewegungserfahrung zu registrieren.

 

5. Schritt
Nach sechs bis acht Wochen täglichen Übens kommen Sie mit Ihrem Kind zur ersten Wiedervorstellung (Review). Dabei werden die möglichen Auswirkungen des Übungsprogramms auf das Verhalten des Kindes im zurückliegenden Zeitraum diskutiert; die Qualität der Übungsausführung wird überprüft und die Bereiche, auf die die vergebene Übung abzielte, werden erneut getestet. Unter Berücksichtigung aller Faktoren wird dann entschieden, ob das Übungsprogramm verändert oder modifiziert wird.

 

6. bis .... Schritt
In dieser Form finden alle weiteren Reviews statt. Für Sie als Eltern bedeutet das, dass Sie jeweils alle acht Wochen Ihren INPP-Entwicklungsförderer aufsuchen und in der Zwischenzeit die jeweiligen Übungen mit Ihrem Kind zu Hause durchführen. Während der Reviews werden überdies alle im Zusammenhang mit dem Übungsprogramm stehenden Probleme des Kindes im familiären und schulischen Bereich besprochen.


Wir streben eine beendbare Förderung an, d.h. nach etwa 1 - 1 ½ Jahren ist das INPP- Übungsprogramm beendet. Die frühkindlichen Reflexe sollten dann soweit integriert sein, dass Ihr Kind müheloser und angemessener die Anforderungen, die von seiner Umwelt auf es gerichtet sind, erfüllen kann.

 

 

Lesen Sie bitte hier den überaus anschaulichen Bericht einer INPP-geschulten Mutter über ihren Sohn, der Ihnen mögliche Zusammenhänge zwischen beobachtbaren Verhaltensauffälligkeiten und bestimmten Restreaktionen frühkindlicher Reflexe nahe bringt:

Haben Sie sich jemals gefragt, warum Ihr Kind dieses oder jenes nicht kann? Vielleicht haben Sie das Gefühl, dass irgendetwas an Ihrem Kind nicht stimmt, aber Sie wissen nicht so genau was es ist. Sie rennen von Arzt zu Arzt, von Therapie zu Therapie. Ja schon… es hat sich vielleicht ein bisschen ´was geändert. Das Kind wird ja auch älter und entwickelt sich weiter. Aber so richtig geholfen hat das alles nicht. So im Vergleich mit anderen Kindern und dem, was andere Mütter von ihren Kindern erzählen, hat ihr Kind, eigentlich ein süßer Junge,  irgendwie immer etwas hinterher gehinkt oder konnte dies oder das nicht so gut wie andere. Dabei ist er überhaupt nicht dumm! Er ist ein intelligentes, kleines Geschöpf. Aber…naja, er kann eben nicht so gut still sitzen (Spinaler Galant-Reflex? Unterinformiertes Gleichgewicht? TLR?) und stört die anderen Kinder ständig im Unterricht, weil er sich andauernd zu ihnen umdreht und mit ihnen redet (Moro-Reflex?). Dafür wird er fast jeden Tag von den Lehrern ausgeschimpft. Immer wieder sind die Lehrer seinetwegen genervt und ermahnen ihn, endlich mit dem Kippeln aufzuhören und besser aufzupassen. Die Klassenkameraden wollen nicht mehr in seiner Nähe sitzen und sind mittlerweile auch schon genervt von seinem „Gesappel und Gezappel“. Hält er den Po, die Füße und den Stuhl mal still, spielen die Finger in einem fort mit Stift, Radiergummi oder Federtasche herum. Und wie er schreibt… immer wieder muss man ihm sagen, dass man überhaupt nicht lesen kann, was er da eigentlich schreibt und dass er die Buchstaben endlich mal rund und schön malen soll, richtige Bögen eben. Aber nein, er malt sie weiter eckig, nicht auf den Linien, sondern irgendwo, mal zu tief, mal zu hoch und ohne Zeilen wird er dann immer kleiner und auf dem Papier schief (ATNR?). Ach, und wenn er  schreibt, kommt immer die Zunge ´raus und schreibt mit  (Babkin-Reaktion?).

Und wie er da sitzt, wenn er Hausaufgaben machen muss! Am liebsten das Heft auf dem Schoß, den Rücken angelehnt, so richtig hingefleezt also, und die Füße auf dem Stuhl abgelegt, der gegenüber steht. Egal ob da gerade jemand drauf sitzt oder nicht (STNR?).“So kannst du doch nicht schreiben“, schimpfen Sie natürlich. Da steht er doch auf und legt sich bäuchlings auf den Teppich und macht dort weiter (STNR?).

Schon mehrfach wurden Sie vielleicht in diesem Schuljahr zum Elterngespräch gebeten. Dabei haben Sie Ihrem Kind ja schon so oft gesagt, dass es still sitzen, die anderen Kinder nicht stören und aufpassen soll. Mal liebevoll, mal streng, mal wütend. Alles hat nicht geholfen. Es macht einfach weiter damit. Zur Strafe muss es jetzt jeden Tag selber bei einem Mitschüler anrufen, um nach den Hausaufgaben fragen. Vielleicht passt es ja dann mal auf!?

Der Junge ist ja auch immer so abwesend! Neulich blickte er auf den laufenden Fernseher, wo gerade die Tagesschau lief, und fragte, wie das Fußballspiel gerade stehe. (Sein Vater hat ihn dann natürlich gleich ´runtergeputzt. ( Allgemeine Erschöpfung? FPR?). Oje, was soll man bloß mit ihm machen. Und faul ist er auch noch obendrein. Er will immer keine Hausaufgaben machen und zum Schwimmkurs will er auch nicht. Er strengt sich einfach nicht genug an. Obwohl der Schwimmlehrer ihm immer wieder sagt, dass er auf dem Wasser quasi liegen soll, versucht dieses  Kind immer im Wasser zu gehen (STNR?).  Und überhaupt: Alle Sportarten, die Sie ihm als sinnvolle und förderliche Freizeitbeschäftigung anbieten, will es nicht! (FPR? Moro? TLR?). Beim Tennis haut das Kind mehr daneben als es trifft (Moro? ATNR? STNR? TLR?) und andere Ball-Sportarten machen ihm keinen Spaß. Eine Zeitlang konnte es nirgendwo mehr hinbewegt werden. Vor kurzem haben Sie es vielleicht dann beim Fußball angemeldet. Mama sollte unbedingt dabei bleiben, obwohl es schon fast zehn Jahre alt war (FPR? Moro? TLR?).

Und Schwimmen? Muss er natürlich weiter machen. Er muss ja wenigstens sein Seepferdchen-Abzeichen haben. Die anderen haben das alle schon längst und machen zum Teil schon „Silber „ oder „Gold“. Der  soll mal nicht so faul sein. Und lachen könnte er auch gerne mal. Er ist ja immer nur schlecht drauf und will alles nicht. Wenn er sich mit  „Freunden“ trifft, gibt es meistens Streit, weil er immer der Bestimmer sein will (Moro?). Manchmal tritt oder boxt er den Freund sogar und brüllt herum, so, wie Sie das von zu Hause auch kennen: Plötzlich, ohne jede Vorwarnung tobt er los, haut mit Fäusten auf Sie ein oder wirft mit einem Gegenstand auf Sie (Moro?). Dabei sollte er nur ´mal eben seinen klebrigen Mund waschen gehen. Na gut, er war gerade beim Kartenspielen mit seiner Schwester.

Vielleicht halten Sie sich schon längst für  totale Versager in der Erziehung ihres Sprösslings (?). Wie gut, dass Sie zu Hause keiner sieht: Das Kind „sitzt“  hingefleezt am Tisch oder will andauernd seine ausgestreckten Beine auf einem anderen Stuhl ablegen (STNR?) oder es steht während des Essens einfach auf und legt ein Knie auf seinem Stuhl ab (Kiss?). Es scheint ihm auch viel zu bequem, um mit Messer und Gabel zu essen, so wie andere Leute auch. Am liebsten nimmt er immer noch die Finger. Sein ganzer Platz samt Fußboden ist immer vollgekleckert. Das ist wahnsinnig peinlich, wenn Besuch da ist. Auch die eigenen Geschwister beschweren sich bei jeder Mahlzeit über das „Kleckerschwein“. Ja, und die liebe Mutter darf freundlicher Weise jeden Tag wieder drei T-Shirts extra waschen, statt Lätzchen sozusagen!


Weiterführende Links:
www.hoertraining-ias.de